Albertturm und geophysikalisches Observatorium
Der Collmberg (slawische Bezeichnung; tschechisch: „chlum“ - Hügel), hieß später bis in das 19. Jahrhundert auch Spielberg. Eine andere frühere Bezeichnung ist Oschatzer Collm. Er ist 312 Meter über NN hoch und stellt eine Landmarke im Wermsdorfer Forst dar, 6 Kilometer westlich von Oschatz in der Nähe des Dorfes Collm.
Auf dem Berg befindet sich eine mittelalterliche Wallanlage (archäologische Datierung ca. 900/930), über deren Geschichte jegliche Überlieferungen fehlen. Neben einem Ringwall mit einem Durchmesser von 200 x 100 Metern, der die gesamte Kuppe umschließt, befinden sich am westlichen Berghang weitere drei Wälle.
Der Collmberg war nicht, wie oft behauptet wird, die Stätte des meißnischen Landthings, sondern es war die 1000-jährige Linde im Dorf Collm, das an seinem Südhang liegt.
Entwurf zu einem Nationaldenkmal auf dem Collmberg, Ansicht und GrundrissAnlässlich des 60-jährigen Regentschaftsjubiläums des Königs Friedrich August wurde der Berg im Jahre 1823 als Standort eines Nationaldenkmals auserkoren, in dem eine Büste des Königs aufgestellt werden sollte. Als dem König der eigentliche Zweck der Errichtung, nämlich die Huldigung seiner Person, bekannt wurde, lehnte er ab.
1827, nach dem Tode des Königs, konstituierte sich ein Verein zur Errichtung eines Denkmals, der landesweit Spenden sammelte. Als Standort für das 1828 von Ernst Rietschel geschaffene Denkmal wurde die Residenzstadt Dresden ausgewählt.
Entwurf zu einem Nationaldenkmal auf dem Collmberg, Grundriss und Schnitt des Turmes. Der 18 Meter hohe Albert-Turm wurde 1854 errichtet und diente als Aussichtsturm. Im Jahre 1932 wurde das seit 1902 bestehende geophysikalische Observatorium Leipzig auf dem Collmberg verlegt. 1935 wurde das Observatorium um eine seismographische Station erweitert.
Im Jahre 1960 wurde auf dem Berg ein Richtfunkturm errichtet. Der 90 Meter (ohne Antennenmast 64 Meter) hohe Richtfunkturm wurde als UKW-Sender Oschatz bekannt. Auch eine Amateurfunkstation befindet sich auf dem Berg. Im Jahr 2004 wurde auf dem Collmberg ein zweiter, 100 Meter hoher Funkturm errichtet, der im Unterschied zum 1960 errichteten keine hochgelegenen Betriebsräume besitzt. Der nun überflüssige alte Funkturm wurde ab Mai 2005 abgetragen.
Der Collm und der Albertturm
Die Wanderroute führt durch den Wermsdorfer Wald zum Kulturdenkmal „Wüstes Schloss Hayn“, weiter zum Silbersee, , der seinen Namen der silbrigen Farbe des Wasser verdankt, bedingt durch Glimmerbestandteile im Teichboden, aufwärts bis zum Collmberg. Vom Albertturm kann man den Rundblick auf die Dahlener Heide, den für seine Jagden bekannten Wermsdorfer Wald und das Leipziger Becken genießen. Der Rückweg nach Wermsdorf bietet interessante, abwechslungsreiche Waldbilder.
Mit seinen 314 m ü. NN ist der Collmberg weithin sichtbar und ein markantes Wahrzeichen im nordsächsischen Tiefland. Der Collm - so neuste wissenschaftliche Erkenntnisse – ist der älteste Berg Sachsens und wahrscheinlich sogar Mitteleuropas (über 600 Mio. Jahre). Für den Menschen hatte der bewaldete Berg immer etwas Anziehendes an sich. Im Mittelalter bot er Schutz vor Überfällen, in den Jahren 1185 bis 1259 führten die Meißner Landgrafen am Fuße des Collm ihre Landtage – damals Landdinge genannt – durch. Zur Zeit August des Starken waren die Wälder um den Collm, auf dem 1710 ein kurfürstlicher Jagdpavillon errichtet wurde, oft ein Tummelplatz des Vergnügens.
1851 wurde auf dem Berggipfel der Grundstein zum Albertturm gelegt und im April 1854 konnte der 18 m hohe Turm zur Besteigung freigegeben werden. Im Jahr 1865 war der Collmberg eine wichtige Station der mitteleuropäischen Gradmessung, auf der Südseite des Turmes erinnert ein säulenförmiger Granitpfeiler an dieses Ereignis. 1932 folgte am Nordhang der Bau des Geophysikalischen Observatoriums der Universität Leipzig mit der Erdbebenstation, der Erdmagnetwarte und die Anlagen für hochatmosphärische Windmessungen. Der 1962 neben dem Albertturm errichtete 64 m hohe Richtfunkturm wurde 2004 durch einen neuen ca. 100m hohen Funkturm ersetzt.
Wanderung:
Strecke: ca. 13 km
Wanderzeit: ca. 3 Stunden 20 Minuten