Die Kirche in Liptitz
Die Kirche
Auch die Kirche ist einen Besuch wert. Sie ist wohl die älteste in Sachsen und vielleicht sogar weit darüber hinaus. An ihren Außenwänden ist sie mit alten Grabplatten geschmückt, auf denen Ritter, Wappen und Inschriften zu sehen sind.
Der Besitzer des Rittergutes Wiederoda, Hans von Grunrade, ließ im Jahre 1604 den Kirchturm erbauen. Zwei Jahre später verstarb er – erst 50 Jahre alt. Sein in Sandstein lebensgroß eigehauenes Bild hat man im Jahre 1724, als das Kirchenschiff von Grund auf neu erbaut wurde, an der südlichen Mauer des Kirchengebäudes angebracht, bis zu diesem Zeitpunkt hatte es auf dem Altarplatz gelegen. Noch heute ist das Bild des Hans von Grunrade relativ gut erhalten. Im Innenbereich bekam die Kirche 1929 eine Stuckdecke, der Außenbereich ist 1992 erneuert worden.
Die Kirchgemeinde Liptitz hatte bis 1925 einen eigenen Pfarrer, danach wurde sie Schwesterkirche von Mahlis und von dort mit betreut. Seit 1999 gibt es die Kirchgemeinde Mahlis-Liptitz, betreut von:
Pfarrer Rico Riese
Karl-Marx-Straße 2
04779 Mahlis
Die Kirche wurde samt der Pfarre im Jahre 1559, in welchem Mannewitz bis auf zwei Häuser nieder brannte, vom Feuer zerstört und 1560 wieder aufgebaut. Der Besitzer des Rittergutes Wiederoda, Hans von Grunrade, ließ 1604 dieselbe zum großen Teil auf seine Kosten mit einem Turm versehen, der nicht spitz in die Höhe aufstrebt, sondern mehr in die Breite angelegt, nicht weit über das Schiff der Kirche hinausragt und in einem Querdach endet. Dieser Turm blieb unverändert, als im Jahre 1724 das Schiff von Grund auf neu erbaut wurde.
Bei dieser Gelegenheit ist jedenfalls das in Sandstein lebensgroß ausgehauene Bild des vorerwähnten Gutsherrn von Wiederode, das bis dahin als Epitaphium auf dem Altarplatz lag, unter welchem sich die Begräbnisstätte der Kirchenpatrone befand, in der Mitte der südlichen Mauer des Kirchengebäudes angebracht worden. Dasselbe, künstlerisch ausgeführt, und sehr gut erhalten trägt die Inschrift: „Anno 1606, den 15. September, ist in Gott Sehliglich verschieden der Edele, Gestrenge und Ehrenfeste Hanns von Grunrade. Seine Alters 50 Jahre. Dem Gott Genade.“ Nachdem die Kirche im Jahre 1823 innerlich erneuert und mit Emporkirchen versehen worden ist, hat sie 1892 die letzte Erneuerung erfahren. Seitdem zeigt ihr Inneres ein würdiges, wenn auch schlichtes Gewand. Was ihr Äußeres betrifft, so schließt sich an den im Westen stehenden Turm mit dem Orgelchor ein ziemlich langes Schiff mit gewölbter Decke. Hohe Fenster geben ihm genügendes Licht. Die Kanzel befindet sich in der Mitte hinter dem Altar im Osten und führt die Treppe zu ihr aus der in die Kirche eingebauten Sakristei hinauf. Obwohl weder aus älterer noch aus neuerer Zeit ein besonderer Bilderschmuck vorhanden ist, so ist doch wiederholt durch die Patronatsherrschaft für die Ausschmückung der Kirche gesorgt worden. Es hat unter anderem der Besitzer des Rittergutes Wiederoda, Emil Barth, Altarteppich und Kanzelbekleidung, zuletzt im Jahre 1897 anlässlich seiner Silberhochzeit ein großes Altarkruzifix gestiftet. Die Orgel ist ein altes Werk aus der Zeit, als das Schiff erneuert wurde um 1724. Gelegentlich einer im Jahre 1894 durch Orgelbaumeister Schmeißer in Rochlitz vorgenommen, umfänglichen Reparatur fand sich im Inneren eines der Bälge der Vermerk: „Johann Ernst Hähnel, Königlich polnischer und kurfürstlich sächsischer Hof- und Landorgelbaumeister in Meißen 1776.“ In diesem Jahre ist jedenfalls das erst ein sogenanntes Positiv darstellende Werk – ein Geschenk derer von Bünau, die von 1717 bis 1766 das Rittergut Wiederoda besaßen – vergrößert worden. Weiterungen und Änderungen, wodurch die Orgel ihre jetzige Gestalt erhalten hat, sind in den Jahren 1831 und 1872 vorgenommen worden. 1917 wurden die Pfeifen eingeschmolzen und für Kriegszwecke verwendet. Eine erneute Reparatur war auf Grund des Alters des Instrumentes nicht möglich. Seitdem wird mit einem Harmonium bzw. Kleinpositiv musiziert.
Die Turmuhr, die sich immer bewährt hat, ist ein Werk aus der Fabrik von Bernhard Zachariä in Leipzig und wurde im Jahre 1880 geschaffen.
Die Glocken sind im Jahre 1895 aus der Glockengießerei von Heinrich Ulrich in Apolda (Firma: Gebrüder Ulrich) hervorgegangen. Dieser nahm das frühere, von der Firma Große in Dresden gegossene Geläute, das in der Klangstimmung unrein und sehr bald schadhaft geworden war, in Zahlung. Leider waren diese Glocken ebenfalls nur bis 1917 als Ganzes zu hören; die beiden großen Glocken (250 und 450 kg) mussten im Turm zerschlagen und für Kriegszwecke abgeliefert werden. Das jetzige Geläut der Liptitzer Kirche ist seit 1956 wieder komplett. Ständige Erneuerungen im Innen- und Außenbereich der Kirche sind immer wieder notwendig, die dazu notwendigen Mittel zu besorgen, keine leichte Aufgabe. Doch die Ergebnisse können sich sehen lassen. Im Jahr 1929 erhielt das Kirchenschiff eine herrliche Stuckdecke, eine alte Ofenheizung wurde durch eine Elektroheizung 1965 abgelöst, der Einbau eines Kirchgemeinderaumes im Ostteil der Kirche kam 1980 zustande. Das Dach, der Außenputz mit neuer Farbgebung, die Turmbekrönung wurden 1992 völlig erneuert. Auch die Leuteanlage wurde erneuert und automatisiert, die Zufahrtswege neu gepflastert, das geschah 1994. Die Pfarre, unmittelbar neben der Kirche gelegen, ist im Jahre 1710 erbaut worden. 1840 wurden umfangreiche Reparaturen vorgenommen.